Kinder des Paradieses

In die Welt der Pantomime, der Gaukler und des Theaters möchte uns Ola Mafaalani entführen. Die Regisseurin ist in Syrien geboren und Deutschland aufgewachsen, seit 1992 lebt sie in den Niederlanden, wo sie sich laut Programmheft mit Theateradaptionen von Kinofilmen und Serien (wie z.B. „Borgen“) einen Namen gemacht hat.

Es klang deshalb vielversprechend, dass sie sich des französischen Klassikers „Les enfants du paradis“ von Marcel Carné und Jacques Prévert annehmen wollte, der als erster Film nach der Befreiung von Paris von den Nazis im Frühjahr 1945 Premiere hatte und enthusiastisch gefeiert wurde. Spannend klang an diesem Projekt auch, dass Mafaalani die Entstehungsgeschichte dieses Werks zu Zeiten der Résistance beleuchten wollte. Als Sahnehäubchen wurde dann auch noch Ilse Ritter in der Rolle der „Arletty“ (so war der Künstlername der damaligen Hauptdarstellerin) angekündigt. Sie macht sich in den letzten Jahren rar. Ihre Auftritte sind aber meist ein Genuss, so z.B. in „Never forever“ (Schaubühne) oder der Jelinek-Uraufführung „Am Königsweg“ (Schauspielhaus Hamburg).

Der Abend enttäuschte jedoch auf ganzer Linie. Die Regisseurin bemühte sich krampfhaft, eine Atmosphäre von „Poesie, Magie und Schönheit“ zu schaffen, die sich aber partout nicht einstellen wollte. Stattdessen wurde das Publikum Zeuge der zähen Liebesgeschichte der Garance (Kathrin Wehlisch), die von vier Männern umworben wurde und im kitschig rieselnden Kunstschnee endet.

Die Akrobaten der „Etage“, einer Schule für darstellende und bildende Künste, durften einige Kabinettstückchen zeigen. Diese wirkten aber ebenso nur an den Rest drangeklebt wie Ilse Ritters kurze Monologe, in der sie über das Schicksal der „Arletty“ berichtete, die zum Zeitpunkt der Filmpremiere inhaftiert war, weil sie eine Affäre mit einem Wehrmachtsoffizier begonnen hatte.

Bild: Matthias Horn

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