Rom

Mit blutroter Farbe und in aller Seelenruhe pinselt Klein-Marcius (Jacob Braune / Bennet Schuster im Wechsel) „Rom Republik“ an die Bühnenwand, während viele im Publikum noch tuscheln. Langsam dreht er sich um und reckt uns den Stinkefinger entgegen.

So eröffnet Karin Henkel ihre mehr als dreistündige Antiken-Trilogie „Rom“ im Deutschen Theater Berlin. Die Quintessenz des Abends ist so eindeutig wie unterkomplex: die Politik ist ein schmutziges Geschäft, Leichen pflastern ihren Weg. Korruption und Machtkämpfe gepaart mit der Sehnsucht des gemeinen Volks nach einem starken Mann machen der Demokratie den Garaus.

Dies wird anhand von drei Shakespeare-Tragödien durchdekliniert: Aus den stark gekürzten Werken „Coriolanus“, „Julius Caesar“ und „Antonius und Cleopatra“ erarbeiteten Dramaturg John von Düffel und die Regisseurin eine Stückfassung. Überraschend ist, wie deutlich sich die Atmosphäre und Färbung der drei Teile unterscheiden.

Im ersten Akt dominiert beim „Coriolanus“ die Comedy. Kate Strong gibt in einem wunderbaren Denglish-Mix den Ton an, kommentiert die Handlung und fasst die weggestrichenen Passagen zusammen. Gemeinsam mit zwei anderen Müttern (Anita Vulesica und Bernd Moss) redet sie auf den Feldherrn Coriolanus (Michael Goldberg) ein und bereitet ihn auf Wahlkampfauftritte vor. Die drei müssen ihn immer wieder ermahnen, dass er seine Verachtung für den „Pöbel“ nicht so demonstrativ vor sich hertragen können. Als seine Gegenspieler treten Camill Jammal und Benjamin Lillie als unterhaltsames Volkstribunen-Duo auf, die um ihre Pfründe fürchten und vor der Autokratie eines starken Mannes warnen, der stolz seine Kriegswunden präsentiert, die ihm seine Mütter eifrig aufmalen.

Rom

Ernster und fast schon gothic-haft düster geht es im zweiten Akt beim „Julius Caesar“ zu. Die Drehbühne ist fast ständig in Bewegung, während Brutus (Felix Goeser) hin- und hergerissen ist, ob er sich am Mord an Caesar beteiligen soll, der nach der Krone greift und sich zum Alleinherscher aufzuschwingen droht. Kate Strong und Antita Vulesica geistern mit einem Tieropfer durch die Szenerie und prophezeien raunend, dass Caesar (Michael Goldberg) die Iden des März nicht überleben wird.

Im dritten Akt ringen Cleopatra (Anita Vulesica) und Antonius (Manuel Harder) um Liebe, Macht, Einfluss und die klügste Heiratspolitik.

Schon vor den letzten Szenen geht der Eiserne Vorhang nach unten. Die Bühne versinkt nach dem verzweifelt-todessehnsüchtigen Dialog von Antonius und Cleopatra und dem Mord an ihrem Sohn Cäsarion in tiefem Schwarz. Die Schlussworte gehören wieder Kate Strong: „The golden sun will never shine again on eyes so royal.“

Von diesem Abend bleiben vor allem die schauspielerischen Leistungen in Erinnerung, die über manche Längen hinwegsehen lassen, die im dritten Teil noch stärker ins Gewicht fallen als im zweiten Teil. Die Stückfassung wurde zwar noch bis zum Premierentag gekürzt, hätte aber noch einige weitere Striche vertragen können.

Bilder: Arno Declair

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