I, Tonya

Als „Eishexe“ und „Trashy Tonya“ beherrschte die Eiskunstläuferin Tony Harding im Januar und Februar 1994 die weltweiten Schlagzeilen.

Bis heute ist unklar, welche Mitschuld sie daran trägt, dass ihre Erzrivalin Nancy Kerrigan kurz vor den Olympischen Winterspielen in Lillehammer mit einer Eisenstange malträtiert wurde und nur knapp einer schweren Knieverletzung entging. In den Ermittlungen kristallisierte sich schnell heraus, dass Hardings damaliger Mann Jeff Gillooly das Attentat in Auftrag gegeben hat.

Die Medien stürzten sich damals auf die spektakuläre Story. Die Kür der Eiskunstläuferinnen wurde zum Quotenhit und zum Duell der hübschen Prinzessin (Kerrigan), die Silber gewann, gegen die intrigante Hexe (Harding), die nur Achte wurde, stilisiert.

Knapp 2,5 Jahrzehnte später lassen Regisseur Craig Gillespie und Drehbuchautor Steven Rogers die Ereignisse Revue passieren. In nachgespielten Interview-Szenen präsentieren die Figuren ihre Versionen des Tathergangs, die Widersprüche werden bewusst gegeneinander gestellt.

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Breiten Raum nehmen die Biografie und das soziale Umfeld von Tonya Harding ein: Als ihre kettenrauchende, zynische, bösartige Mutter LaVona brilliert Allison Janney, die zurecht mit einem Golden Globe und einem Oscar als beste Nebendarstellerin prämiert wurde. Mit ihren sarkastischen Sprüchen und mehr als einer Prise schwarzen Humors überschattet sie sogar die Hauptdarstellerin Margot Robbie in der Rolle von Tonya Harding, die ebenfalls für einen Oscar nominiert war, aber gegen Frances McDormand den Kürzeren zog.

„I, Tonya“ ist ein ungewöhnliches Biopic und gut gemachtes Unterhaltungs-Kino, das tief in sein „White Trash“-Milieu eintaucht und mit pointierten Dialogen und skurril überzeichneten Figuren überzeugt. Der Film fokussiert sich ganz auf Tonya Harding, die nach Olympia wegen Behinderung der Ermittlungen verurteilt und lebenslang für  Eiskunstlauf-Meisterschaften gesperrt wurde, und ihr Umfeld. Dem Anschlagsopfer Nancy Kerrigan (gespielt von Caitlin Carver) kommt nur eine Nebenrolle zu, was dem Film manche Kritiker zum Vorwurf machten.

Bilder: © DCM

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Eine Antwort auf „I, Tonya

  1. Die Kritik, dass Kerrigan keine größere Rolle bekommt ist für mich nicht sonderlich nachvollziehbar. Die Absicht des Film ist es nicht, den Anschlag in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die Ausmaße eines Mediengewitters zu veranschaulichen. Absichtlich wird das Geschehene nicht aus einer Perspektive geschildert, sondern in Interviewform aufbereitet. Regisseur und Autor stellen sich auf die Seite von Harding, um ihre Rolle als Opfer der Massenmedialen Aufmerksamkeit zu verdeutlichen. Dass Kerrigan Opfer eines Gewaltverbrechens war, ist dabei zwar wesentlicher Bestandteil, jedoch nicht Fokus der Erzählung und der Aussage des Films. LG TBC

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