Sommergäste

Mit einer russischen Elegie landete Daniela Löffner im Dezember 2015 einen Überraschungshit: in Turgenjews „Väter und Söhne“ bot sie vier Stunden lang klassisches Schauspielertheater, ohne Schnickschnack und Fremdtext, dafür mit großem Ensemble.

Der Abend balancierte damals auf einem schmalen Grat: das stundenlange Palaver über Gott und die Welt, die tranken, feierten, stritten, sich versöhnten, zauberte trotz streckenweiser Langatmigkeit schöne Momente und schauspielerische Kabinettstückchen.

In dieser Spielzeit wagte sich Löffner an Maxim Gorkis „Sommergäste“, wieder vier Stunden, wieder eine russische Elegie, diesmal aber nicht im intimen Rahmen der Kammerspiele, wo das Publikum direkt hinter den gerade pausierenden Schauspielern am Rand der Spielfläche sitzt und hautnah dabei ist, sondern auf der großen Bühne, als Frontaltheater in einem Holzkasten.

Vor allem die ersten beiden Stunden bis zur Pause sind ermüdend: zäh schleppen sich die Monologe dahin. Diese gelangweilten Figuren am Vorabend der russischen Revolution, die nichts mit sich anzufangen wissen, treten ins Zentrum der Bühne und verschwinden wieder im Hintergrund. Wie bei ihrem Lehrer Gosch bleiben alle Spielerinnen und Spieler die komplette Dauer der Inszenierung auf der Bühne präsent.

Bei diesem Thesentheater über eine untergehende Gesellschaft springt kein Funke über. Larmoyant klagen die Figuren über ihre Ermattung und ihre Alltagssorgen. Die ersten drei Stunden kommen aber nicht über eine müden Nachklapp zum damals zum Theatertreffen eingeladenen „Väter und Söhne“-Inszenierung.

Nach der Pause ist immerhin in Spurenelementen Reibung zwischen den Schauspielerinnen und Schauspielern spürbar. Das Tempo zieht langsam an. Anja Schneider spielt sich als Warja ins Zentrum. Zwischen all den Jammerlappen gewinnt ihre Figur Konturen.

Leider musste die gestrige Vorstellung wegen einer Erkrankung im Ensemble abgebrochen werden, so dass an dieser Stelle offen bleiben muss, ob die letzte Stunde noch an Fahrt und Konturen gewinnt.

Bild: Arno Declair

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